Reliquiar der Hl. Hedwig

Bedeutsamstes Stück für die St. Hedwigs-Kathedrale ist ein Reliquiar der Titelheiligen.

Die teilvergoldete Silberstatuette von Andreas Heidegger (1513 gefertigt) ist ein Geschenk vom Stiftskapitel der Kirche zum Heiligen Kreuz in Breslau.

„Das Kapitel mochte sich für die armen Berliner Katholiken schweren Herzens davon getrennt haben, denn es wurde vor Ort in Breslau schon seit über zwei Jahrhunderten verehrt. Außerdem war diese vollplastische Figur Teil eines vierteiligen Ensembles, das noch aus einer Reliquienbüste der hl. Hedwig und zwei Armreliquiaren bestand und zu bestimmten Zeiten zur Verehrung öffentlich gezeigt wurden. Es war in der Tat ein  bedeutungsvolles und tiefgründiges Geschenk, das zum Weihetag der St. Hedwigs-Kirche 1773 in Berlin eintraf. 

Das Reliquiar sollte in der Kostbarkeit und Schönheit des Äußeren auf das wahrhaft Kostbare des Inneren, das Heilige verweisen. Dabei kam den verarbeiteten Materialien ein hoher symbolischer Rang zu. So war das Gold die Farbe Gottes, Inbegriff von Heiligkeit und Majestät und sein kostbarer Glanz war nichts als der Abglanz des Göttlichen und Ewigen.

Unsere Statuette ist ein solches Gefäß, ein sogenanntes  „sprechendes Reliquiar“, weil es als ikonografisch identifizierbare Figur der hl. Hedwig mit ihren typischen Attributen (Marienfigur und Kirchenmodell) dem Betrachter visuell mitteilt, wessen Gebeine sie in sich birgt. Sie steht auf einem Sockel, der ein kleines viereckiges Fenster enthält und einen der Reliquienpartikel sichtbar macht. Die andere Reliquie befindet sich in dem Kirchlein, das sie in der linken Hand hält, ebenfalls sichtbar durch ein rundbogiges Glasfenster. Die kleine Statuette zeigt die hl. Hedwig als stehende Vollfigur mit Kopfschleier und Herzogskrone, bekleidet mit einem hochgegürteten Gewand und darüber einen faltenreich fallenden Mantelumhang. Mit dem kreuzförmigen Kirchenmodell in ihrer Linken verweist die hl.Hedwig auf die Kirche des von ihr gegründeten Zisterzienserinnenkloster zu Trebnitz bei Breslau, die nach der Bauvorschrift der Zisterzienser keinen Turm sondern nur einen Dachreiter hat. In ihrer Rechten hält die hl. Hedwig ein winziges Figürchen der Muttergottes mit Kind, ein Attribut, das man auch an anderen Hedwigs-Darstellungen wiederfindet, denn sie soll immer eine Marienfigur bei sich getragen haben.“

(Christine Goetz)       


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